NRW-Landwirte verwendeten 2019/20 kaum mehr flüssigen Wirtschaftsdünger, bauten mehr Zwischenfrüchte an und bewässerten mehr Flächen als 2009

Montag, 25. Oktober 2021

NRW-Landwirte verwendeten 2019/20 kaum mehr flüssigen Wirtschaftsdünger, bauten mehr Zwischenfrüchte an und bewässerten mehr Flächen als 2009

Von März 2019 bis Februar 2020 wurde von den nordrhein-westfälischen Landwirten mit nahezu 22,0 Millionen Kubikmetern in etwa so viel (+0,8 Prozent) flüssiger Wirtschaftsdünger (Gülle, Jauche oder flüssige Biogasgärreste) auf die Felder ausgebracht als zehn Jahre zuvor.

Düsseldorf (IT.NRW). Von März 2019 bis Februar 2020 wurde von den nordrhein-westfälischen Landwirten mit nahezu 22,0 Millionen Kubikmetern in etwa so viel (+0,8 Prozent) flüssiger Wirtschaftsdünger (Gülle, Jauche oder flüssige Biogasgärreste) auf die Felder ausgebracht als zehn Jahre zuvor. Wie Information und Technik Nordrhein-Westfalen als Statistisches Landesamt anhand jetzt vorliegender Ergebnisse der Landwirtschaftszählung 2020 mitteilt, waren das umgerechnet 15,1 Kubikmeter pro Hektar Acker- und Dauergrünland. Für das gesamte Bundesgebiet liegt dieser Durchschnittswert bei 11,5 Kubikmetern pro Hektar. NRW lag hinter Schleswig-Holstein (17,8 m³/Hektar) und Niedersachsen (16,9 m³/Hektar) auf Platz drei der Verwender von flüssigem Wirtschaftsdünger je Hektar.

  • Tabellarische Daten der Grafik
Verwendung von flüssigem Wirtschaftsdünger auf Acker- oder Dauergrünland 2019/2020
Bundesland in Kubikmeter
je Hektar 
Schleswig-Holstein 17,8
Niedersachsen 16,9
Nordrhein-Westfalen 15,1
Bayern 14,7
Baden-Württemberg 12,2
Deutschland 11,5
Sachsen 8,5
Hessen 7,0
Thüringen 6,4
Sachsen-Anhalt 6,2
Stadtstaaten 5,9
Saarland 5,7
Mecklenburg-Vorpommern 5,7
Brandenburg 5,4
Rheinland-Pfalz 5,0

Bundesweit wurden 187,8 Millionen Kubikmeter flüssiger Wirtschaftsdünger von März 2019 bis Februar 2020 ausgebracht. Auch bei dieser Betrachtungsweise liegt NRW hinter Bayern (45,5 Mio. m³) und Niedersachsen (43,0 Mio. m³) auf Platz drei.

  • Tabellarische Daten der Grafik
Verwendung von flüssigem Wirtschaftsdünger auf Acker- oder Dauergrünland 2019/2020
Bundesland davon
Rindergülle  Schweinegülle sonstige Gülle flüssige Biogas-Gärreste
in Millionen Kubikmeter
Bayern 30,3 3,6 0,5 11,1
Niedersachsen 20,8 8,4 0,4 13,4
Nordrhein-Westfalen 9,2 8,1 0,3 4,5
Schleswig-Holstein 10,4 1,9 0,2 4,9
Baden-Württemberg 8,9 2,0 0,3 5,4
Mecklenburg-Vorpommern 2,5 0,6 0,1 4,4
Sachsen 2,8 0,7 0,2 3,8
Sachsen-Anhalt 1,6 0,6 0,1 4,9
Brandenburg 1,7 0,5 0,2 4,6
Hessen 2,8 0,7 0,1 1,6
Thüringen 1,2 0,4 0,1 3,2
Rheinland-Pfalz 2,1 0,2 0,1 0,8
Saarland 0,3 0,0 0,0 0,1
Stadtstaaten 0,1 0,0 0,0 0,0

Neben flüssigem Wirtschaftsdünger kamen auch Mineral- und feste Wirtschaftsdünger zum Einsatz. Die Menge fester Wirtschaftsdünger belief sich 2019/20 in Nordrhein-Westfalen auf 2,5 Millionen Tonnen. Bundesweit wurden 21,4 Millionen Tonnen fester Wirtschaftsdünger in die Felder eingearbeitet.

Die Techniken zur Ausbringung von Dünger haben sich in den letzten Jahren verändert: 2010 wurden noch 57,9 Prozent des flüssigen Wirtschaftsdüngers mit sog. Breitverteilern breitflächig auf nordrhein-westfälische Böden verteilt – bis zum Jahr 2019/20 sank dieser Anteil auf 19,7 Prozent. Hier kamen Verfahren wie Schleppschuhe und -schläuche, Schlitzverfahren oder Güllegrubber zum Einsatz, deren Einsatz eine emissionsärmere Einbringung in die Böden ermöglicht. Ebenfalls verringert hat sich die Einarbeitungszeit auf Stoppeln oder unbearbeiteten Flächen: 2010 wurde 61,0 Prozent des flüssigen Wirtschaftsdüngers erst nach einer Stunde oder später eingearbeitet – bis zum Jahr 2019/20 verringerte sich dieser Anteil auf 7,0 Prozent.

Der Anbau von Zwischenfrüchten (Einsaat von Kulturen in Reinsaat oder Saatgutmischungen nach Ernte der Hauptfrucht) wurde in Nordrhein-Westfalen in den letzten Jahren ausgeweitet. 2009/10 bauten die NRW-Landwirte auf 163 400 Hektar Zwischenfrüchte an – bis 2019/20 wurde der Zwischenfruchtanbau um 56,4 Prozent auf 255 700 Hektar ausgedehnt. Nahezu ein Viertel (24,4 Prozent des Ackerlandes) wird in NRW zum Anbau von Zwischenfrüchten genutzt. Insbesondere der Zwischenanbau von Pflanzen zur Gründüngung (221 200 Hektar, +63,5 Prozent) wurde ausgeweitet. Der Anbau von Zwischenfrüchten zur Futtergewinnungwurde wurde – auch als Konsequenz der Trockenheit der Jahre 2018 und 2019 und der daraus resultierenden Futterknappheit – um 37,7 Prozent auf 30 300 Hektar ausgedehnt, während die Biomasseerzeugung zur Energieergewinnung (4 200 Hektar, −31,8 Prozent) eingeschränkt wurde.

  • Tabellarische Daten der Grafik
Anteil der Zwischenfruchtanbauflächen an der gesamten Ackerfläche
im Jahr 2020
Bundesland Anteile
in Prozent
Baden-Württemberg 24,6
Nordrhein-Westfalen 24,4
Niedersachsen 24,4
Bayern 22,5
Deutschland 16,9
Sachsen 13,4
Saarland 12,8
Stadtstaaten 11,7
Hessen 11,6
Brandenburg 11,1
Schleswig-Holstein 11,0
Sachsen-Anhalt 10,0
Mecklenburg-Vorpommern 9,1
Rheinland-Pfalz 8,4
Thüringen 6,8

Anhaltende Hitze- und Dürrephasen haben dazu geführt, dass immer mehr Landwirte Ihre Felder bewässern: 2 758 nordrhein-westfälische Betriebe verfügten im Jahr 2019 über technische Bewässerungsanlagen und über einen Zugang zu Wasser. Von den 84 600 Hektar, die damit grundsätzlich hätten bewässert werden können, wurden 52 600 Hektar (62,2 Prozent) tatsächlich bewässert. Bezogen auf die landwirtschaftlich genutzte Gesamtfläche (1 473 200 Hektar) des Landes waren das 3,6 Prozent. Nordrhein-Westfalen hatte damit den dritthöchsten Anteil der Bundesländer und liegt über dem Bundesdurchschnitt von 3,1 Prozent. Den höchsten Anteil bewässerter Flächen an der gesamten landwirtschaftlich genutzten Fläche hatte Niedersachsen mit 10,8 Prozent.

  • Tabellarische Daten der Grafik
Anteil bewässerter Flächen an der gesamten landwirtschaftlich genutzten Fläche im Jahr 2020
Bundesland Anteile
in Prozent
Niedersachsen 10,8
Stadtstaaten 5,9
Nordrhein-Westfalen 3,6
Deutschland 3,1
Rheinland-Pfalz 3,0
Brandenburg 2,4
Hessen 2,1
Sachsen-Anhalt 1,8
Mecklenburg-Vorpommern 1,6
Baden-Württemberg 1,4
Bayern 0,9
Schleswig-Holstein 0,8
Sachsen 0,6
Thüringen 0,4
Saarland 0,2

In den Landwirtschaftszählungen werden etwa alle zehn Jahre wichtige Daten der landwirtschaftlichen Betriebe in NRW und den anderen Bundesländern erfasst. Auf Basis dieser Ergebnisse können bestehende Strukturen abgebildet sowie Trends und Entwicklungen in der Landwirtschaft aufgezeigt werden. Die Daten stehen als Informationsquelle der Politik, Wirtschaft und Wissenschaft zur Verfügung und dienen als Entscheidungsgrundlage. Weitere Informationen zur Landwirtschaftszählung in Nordrhein-Westfalen und weiterführende Links zu unserem Datenangebot finden Sie unter https://www.it.nrw/landwirtschaftszaehlung-2020. Bundesweite Ergebnisse haben die Statistiker des Bundes und der Länder in Form von Story-Maps im gemeinsamen Statistikportal unter https://lz2020.statistikportal.de veröffentlicht. (IT.NRW)

(415 / 21) Düsseldorf, den 25. Oktober 2021

Weitere Ergebnisse der Landwirtschaftszählung 2020 finden Sie in der Landesdatenbank unter: https://url.nrw/LZ2020

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